Festausschuss BONNER KARNEVAL e. V. verlegt Stolpersteine im Gedenken an jüdische Karnevalistinnen und Karnevalisten aus Bonn

Festausschuss BONNER KARNEVAL e. V. verlegt Stolpersteine im Gedenken an jüdische Karnevalistinnen und Karnevalisten aus Bonn
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Verlegung der Gedenksteine mit dem Prinzenpaar und den Kadetten der Bonner Stadtsoldaten. Fotoquelle: Festauschuss BONNER KARNEVAL.jpeg

Stolpersteine erinnern künftig an die Familie von Dr. Friedrich Schwarz

Bonn, 15. Juni 2026 – Im Rahmen des Jubiläumsjahres „200 Jahre Karneval in Bonn“ setzt der Festausschuss BONNER KARNEVAL e. V. ein Zeichen für Erinnerung, Verantwortung und die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte des Bonner Karnevals während der Zeit des Nationalsozialismus. So wurden heute in der Prinz-Albert-Straße 10 vier Stolpersteine für die jüdische Familie von Dr. Friedrich und Isabella Schwarz verlegt. Im Besonderen wird ihrer Kinder, Rosemarie und Arthur, gedacht, die als Kadetten dem Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e. V. angehörten. Wie viele jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden auch sie Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Vor Ort waren u.a. Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V. sowie Dr. Marcus Leifeld, Projektleiter, Archivar und Historiker im Festausschuss und das designierte Bonner Prinzenpaar 2026/ 27, Prinz Torsten I. (Janßen) und Bonna Petra I. (Schönen). Ebenfalls zugegen waren Uwe Reichelt, Corpsintendant des Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e. V. und Kadettencorpsführer Markus Fontaine mit der Kadettin Clara Grümer und dem Kadetten Dominik Behrendt sowie Thomas Janicke, Kommandant der EhrenGarde der Stadt Bonn - Vaterstädtischer Verein e. V.

Im Rahmen der Veranstaltung begrüßten Björn Dzieran, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum Bonn, sowie Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V. Anschließend berichtete Marcus Leifeld über biografische Ereignisse aus dem Leben der Familie Schwarz und ihrer karnevalsbegeisterten Kinder, wie auch über weitere jüdische Bürgerinnen und Bürger, die in besonderer Weise mit dem Bonner Karneval verbunden waren und denen im Rahmen der Stolpersteinverlegung ebenfalls gedacht wurde. Die Stolpersteine sind Teil eines umfassenden Erinnerungsprojektes der Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrums Bonn, die in diesem Jahr mit dem Tiefbauamt insgesamt 70 Stolpersteine für Bonnerinnen und Bonner verlegt, welche im Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder ermordet wurden. Mit der Beteiligung möchte der Festausschuss im Jubiläumsjahr auch die dunklen Kapitel seiner Vergangenheit sichtbar machen und einen Beitrag zur Erinnerungskultur in Bonn leisten. Dazu gehören auch die zwei Wegpunkte im Rahmen des digitalen Karnevalsrundgangs am Friedensplatz. Der Rundgang kann über karnevalsrundgang-bonn.de abgerufen und bequem von zu Hause oder interaktiv vor Ort angeschaut werden.

Über Familie Schwarz

Dr. Friedrich Schwarz wurde 1888 in Bonn geboren. Nach seinem Medizinstudium wurde er im Ersten Weltkrieg als Soldat eingezogen und im April 1918 zum Oberarzt der Reserve befördert. Er heiratete die aus Eisenach stammende Isabella, genannt „Bella“, Strauß. Zwischenzeitlich lebte das Paar in Kempten im Allgäu, wo 1918 ihre Tochter Rosemarie geboren wurde. Kurz nach deren Geburt zog die Familie nach Bonn und lebte in der Kronprinzenstraße 10 (heute Prinz-Albert-Straße). Im Erdgeschoss unterhielt Dr. Friedrich Schwarz seine Facharztpraxis für Strahlentherapie, in der oberen Etage lebte die Familie. 1921 kam ihr Sohn Arthur zur Welt.

Beide Kinder besuchten zunächst Privatschulen. Rosemarie wechselte dann auf das städtische Lyzeum, Arthur besuchte das Beethoven-Gymnasium. Dr. Schwarz war als Mediziner hoch angesehen und engagierte sich gesellschaftlich. Musik spielte in der Familie eine große Rolle. Insbesondere Rosemarie war eine Liebhaberin und Förderin der klassischen Musik. Sie arbeitete als Touristenführerin im Bonner Beethovenhaus. Wie ihr Bruder liebte sie den Karneval. Zusammen waren sie Ende der 1920er-Jahre bzw. Anfang der 1930er-Jahre im Kadettenkorps des Bonner Stadtsoldaten-Corps aktiv, wie ein Foto der beiden Kinder in Uniformen zeigt. Sie werden gemeinsam mit jüdischen und nichtjüdischen Kadetten an den Rosenmontagszügen durch Bonn teilgenommen haben, bei Kindersitzungen aufgetreten sein und auch bei karnevalistischen „Arrestierungen“ von Passanten an Karnevalssonntag vor dem Rathaus mitgewirkt haben, um Spendengelder einzuholen.

Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten 1933 begann die Ausgrenzung und Verfolgung der Familie. Die Praxis von Dr. Schwarz wurde boykottiert. Rosemarie musste 1933 das städtische Lyzeum verlassen. Arthur verließ das Beethoven-Gymnasium kurz nach Ostern 1937.

Am 10. Oktober 1937 reiste die Familie unter dem Vorwand einer Erholungsreise zu einem Schwager in die Schweiz, um der Verfolgung in ihrer Heimat zu entgehen. Nachdem Rosemarie das städtische Lyzeum verlassen hatte, war sie auf Privatschulen im benachbarten Ausland geschickt worden. 1938 kam sie zu einer Gastfamilie nach England, wo sie den Beruf der Krankenschwester erlernte.

Friedrich, Isabella und Arthur Schwarz flohen im Mai 1938 von der Schweiz nach Zypern, von wo aus sie Anfang 1941 mit anderen Deutschen von den Engländern nach Nyasaland, heute Malawi, gebracht wurden. In Afrika konnte Dr. Schwarz als Regierungsarzt tätig sein und gründete im Januar 1948 eine eigene Praxis.

Rosemarie Schwarz kam nach Kriegsende 1945 ebenfalls nach Afrika. Auf einer USA-Reise 1951 lernte sie ihren späteren Ehemann Edward Littmann kennen und zog mit ihm nach Texas, wo sie bis zu ihrem Tod 2014 lebte.

Arthur Schwarz blieb als Plantagenbesitzer in Malawi. Er besuchte regelmäßig Bonn und sprach dort als Zeitzeuge in seinem früheren Gymnasium. Erst kurz vor seinem Tod zog er zu seinen Kindern nach England und starb 2007.

Friedrich und Isabella Schwarz, an Malaria erkrankt, zogen 1963 zurück nach Bonn in ihr altes Haus, drei Jahre später zu ihrer Tochter nach Texas. Dort starb Friedrich 1968 und Isabella 1969.

(Siehe: Björn Dzieran und Astrid Mehmel, Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum, Stolpersteine in Bonn 2026, S. 17-19)

Über weitere jüdische Bürgerinnen und Bürger im Bonner Karneval aus der NS-Zeit
Wie Rosemarie und Arthur Schwarz waren weitere jüdische Bürgerinnen und Bürger im Bonner Karneval aktiv und gehörten zu den Opfern des Nationalsozialismus. Zu nennen sind Hans David Tobar und Norbert Stein aus Köln, die als Bühnenkünstler über viele Jahre auch in Bonn zu den prominenten und umjubelten Bühnenkünstlern zählten.

Nach der Session 1932/33 durften sie nicht mehr im Karneval auftreten. Hans David Tobar floh 1939 mit seiner Familie in die Vereinigten Staaten, Norbert Stein in der zweiten Hälfte der 1930er-Jahre in die Schweiz. Und auch Bonner Juden und Jüdinnen wie Margot Barnard, 1919 in Beuel geborene Kober, liebte den Karneval und feierte ihn als kleines Kind und als Jugendliche auf den Straßen und Plätzen der Stadt. Sie flüchtete im Anfang September 1936 vor den Nationalsozialisten nach Palästina.

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Die jungen Kadetten und die Stolpersteine im Gedenken an die Verfolgten. Fotoquelle: Festausschuss BONNER KARNEVAL.jpeg

Die jungen Kadetten und die Stolpersteine im Gedenken an die Verfolgten. Fotoquelle: Festausschuss BONNER KARNEVAL.jpeg

Gedenksteine an der Prinz-Albert-Str 10. Bildquelle: Festausschuss BONNER KARNEVAL

Gedenksteine an der Prinz-Albert-Str 10. Bildquelle: Festausschuss BONNER KARNEVAL

Gruppenfoto (v. r. n. l.): Thomas Janicke, Kommandant der EhrenGarde der Stadt Bonn - Vaterstädtischer Verein e. V., Dr. Marcus Leifeld, Projektleiter, Archivar und Historiker des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V.,  die designierte Bonna Petra I. (Schönen), Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V. mit Kadettin Clara Grümer und dem Kadetten Dominik Behrendt, Uwe Reichelt, Corpsintendant des Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e. V., der designierte Prinz Torsten I. (Janßen) und Kadettencorpsführer Markus Fontaine. Bildquelle: Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V.

Gruppenfoto (v. r. n. l.): Thomas Janicke, Kommandant der EhrenGarde der Stadt Bonn - Vaterstädtischer Verein e. V., Dr. Marcus Leifeld, Projektleiter, Archivar und Historiker des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V., die designierte Bonna Petra I. (Schönen), Marlies Stockhorst, Präsidentin des Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V. mit Kadettin Clara Grümer und dem Kadetten Dominik Behrendt, Uwe Reichelt, Corpsintendant des Bonner Stadtsoldaten-Corps von 1872 e. V., der designierte Prinz Torsten I. (Janßen) und Kadettencorpsführer Markus Fontaine. Bildquelle: Festausschusses BONNER KARNEVAL e. V.

Historisches Foto von Rosemarie und Arthur Schwarz. Bildquelle: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum.jpg

Historisches Foto von Rosemarie und Arthur Schwarz. Bildquelle: Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum.jpg